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Katholische Kirchengemeinde Sankt Kamillus
 
Klausenerplatz 12/13
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Liebe Gäste,

liebe Gemeinde von St. Kamillus!

die Sommerferien haben gerade begonnen, und in normalen Zeiten könnten wir einander einen schönen Urlaub wünschen und es genießen, dass die Zeit nicht mehr so durchgetaktet ist wie sonst im Alltag. Aber es sind keine normalen Zeiten.

Das Corona-Virus hält uns alle seit Monaten in Atem. Vieles ist nicht wie sonst möglich. Viele haben schmerzliche Erfahrungen machen müssen. Manche Selbständige haben beruflich alles versucht und dann doch Insolvenz anmelden müssen, weil keine Kunden mehr kommen durften. Viele Familien haben mit Kindern zu Hause Schulstoff durchgearbeitet, dabei gleichzeitig im Homeoffice gesessen und sind erschöpft. Menschen mit Behinderung durften monatelang nicht in ihre Werkstätten und fühlten sich vergessen. Ältere bekamen aus Sicherheitsgründen keinen Besuch von ihren Kindern und Enkeln und fühlten sich einsam und ängstlich. Die Aufzählung dieser Erfahrungen ließe sich noch endlos verlängern, jede/r von Ihnen könnte von Mühen und Sorgen der letzten Zeit berichten.

Vereinzelt gibt es auch positive Erfahrungen: Familien haben es auch genossen, mehr Zeit miteinander zu haben. Eine große Welle der Hilfsbereitschaft war zu spüren, auch wenn die Umsetzung der Angebote ihre Hürden hatte. Digitale Angebote wurden angeboten, genutzt und als künftige Lösungen in den Blick genommen. Die erzwungene Verlangsamung des Alltags wurde von vielen auch als wohltuend empfunden.

„Ruht ein wenig aus“, sagt Jesus zu seinen Jüngern, als sie zu ihm zurückkommen und ihre Erfahrungen erzählen. Ruht ein wenig aus. Was kann das in diesen bewegten Zeiten bedeuten? Aus der Bibel wäre wohl zu hören: Verliert nicht euch selbst, in der Arbeit, den Sorgen, dem Stress des Alltags, den augenblicklich vielen Regeln und Einschränkungen. Nicht Zerstreuung, sondern Sammlung steht an; die Seele muss nachkommen.

Vor fast 900 Jahren hat der Hl. Bernhard von Clairvaux, dessen Gedenktag wir am 20. August feiern, seinem ehemaligen Schüler, dem späteren Papst Eugen II., geraten: „Es wäre klug, du entziehst dich von Zeit zu Zeit deinen Beschäftigungen, als dass sie dich ziehen und dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem du nicht landen willst. An den Punkt, wo das Herz hart wird. Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selber hat. (…) Denk also daran: Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: „Tu das immer“. Ich sage nicht: „Tu das oft.“ Aber ich sage: „Tu das immer wieder einmal. Sei wie für die anderen auch für dich selbst da (…).“

Das schöne Wort Muße ist aus der Mode gekommen: die Kunst der Einkehr bei sich selbst; nicht getrieben sein, ganz in der Gegenwart leben. Muße ist nicht nur Sache eines Urlaubs, sie kann auch am Ende eines Arbeitstages stehen. Dazu gehört auch das Bedenken: Was war gut an diesem Tag, an dieser letzten Zeit; was bedrückt mich, wofür bin ich dankbar; habe ich noch Verbindung zu Gott, meinem Fundament? Wohin geht meine Sehnsucht, was vermisse ich schmerzlich, mit wem kann ich mich in meinem Anliegen verbinden, könnte es einen anderen Weg geben?

Für viele gibt es dafür jetzt mehr Zeit, vielleicht auch an einem anderen Ort. Bei anderen gibt es weiterhin Sorgen und Unsicherheiten über die Zukunft. Aber immer wieder einmal, sagt der Hl. Bernhard, sollten wir uns Zeit nehmen - auch wenn es vielleicht nur Minuten sind - und zu uns selbst und zu Gott zurückkehren.

Die Gottesdienste feiern wir in St. Kamillus zu den gewohnten Zeiten und unter den bestehenden Hygieneregeln.

Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sommer, mit genügend Erholung und Zuversicht!

Ihr Pater Krystian Respondek

/Pfarradministrator/


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